Bridge&Tunnel: Fair Fashion mit Geschichte

14. September 2018

Constanze Klotz (37) und Hanna Charlotte Erhorn (39) sind die zwei Frauen, die hinter dem Fair Fashion Label Bridge&Tunnel stehen. Ihr Ziel: Sie wollen mit ihrem Design die Gesellschaft verändern. Die Kulturwissenschaftlerin Conny und die Textildesignerin Lotte haben für diesen Zweck ein hochwertiges Label entworfen. Alle Produkte werden nachhaltig gefertigt, von Frauen und Männern mit besonderer Geschichte. Welches Konzept sich dahinter verbirgt, erfahrt ihr hier.

Zu allererst einmal: Welche spannende Geschichte steckt hinter dem Namen Ihres Labels?

Unsere Werkstatt liegt im Hamburger Stadtteil Wilhelmsburg. Ob man es glaubt oder nicht: Dieses ist tatsächlich eine von den Elbarmen umschlossene Insel, die man nur durch den alten Elbtunnel oder über eine Brücke erreichen kann. Aber es ist auch eine tolle Metapher für unser Anliegen: Brücken und Tunnel für Menschen zu bauen, die es schwer auf dem Arbeitsmarkt haben.

Als Gründerinnen eines jungen Labels vor zwei Jahren standet Ihr vor einer großen Aufgabe. Wie habt Ihr euch aufgeteilt?

Im Grunde müssen wir gleichermaßen Generalisten wie Spezialisten sein. Mittlerweile ist aber Lotte als die diplomierte Textildesignerin für das Design und die Produktion zuständig, während sich Conny als promovierte Kulturwissenschaftlerin mit Social Media, Fundraising und Kooperationen befasst. Die eine ist also Innen-, die andere ist Außenministerin.

Aber mal Hand aufs Herz: Wie oft in der Woche fliegen zwischen euch die Fetzen?

Tatsächlich sehr selten. (Lachen) Zwar sind wir nicht immer einer Meinung, aber wir diskutieren leidenschaftlich gern miteinander. Zusammen Gründen ist ein riesengroßes Abenteuer! Warum sollte man dieses nicht mit tollen Menschen teilen, die man gern um sich hat?

Fair Fashion – lange haftete der fairen Mode das Etikett muffiger Baumwollkleidung an – ohne Stil und Passform. Was macht Ihr anders?

Ästhetik und Ethik gehen für uns Hand in Hand. Wir träumten von einem Label, bei dem das Design einen genauso wichtigen Stellenwert einnimmt wie die Fertigung des Produkts. Sowohl der Gestaltungsgedanke wie auch die Produktionsweise sind beides Dinge, die wichtig sind, um im Markt bestehen zu können. Denn Menschen verlieben sich eher in einen Look als in eine Geschichte. Wenn aber beides zusammen kommt, umso besser! Zu guter Letzt kann man sagen: Jedem einzelnen Stück sieht man unsere Freude an Materialität und Farbe an.

Euer Motto ist „We design society“. In eurem Team vereint Ihr viele verschiedene Nationalitäten – dahinter verbirgt sich ein spannendes Konzept. Könnt Ihr uns dieses in wenigen Worten näher bringen?

Wir versuchen bei Bridge&Tunnel zwei Dinge zu verbinden, die uns am Herzen liegen: die Wertschätzung von Textil, in unserem Fall die Jeans, und die Wertschätzung der Ressource Mensch. Mit beidem wird in unserer Gesellschaft häufig inflationär umgegangen. So verwenden wir für unser Design post- & pre-consumer waste, also Alttextilien, und stellen Menschen ein, die aufgrund von Handicaps (z. B. Alter, fehlende Deutschkenntnisse oder Fluchtgeschichte) keinen Job finden und durch alle Raster fallen, aber handwerklich sehr geschickt sind. Deswegen unser Claim: „We design society“!

Fair Fashion: Designs entstehen hauptsächlich aus Denim, und zwar aus Alttextilien oder Materialresten. Dieses ist nicht nur wahnsinnig vielfältig, sondern auch sehr robust.

 

Ihr seid durch verschiedene Projekte mit der EBC verbunden. Wie kam es zu dieser Partnerschaft und was schätzt Ihr an der EBC?

Die EBC Hochschule ist anlässlich eines Events auf uns zugekommen, weil uns viele nachhaltige Themen verbinden. So haben wir unsere erste kleine Fashion Show mit Studenten der EBC auf der Langen Nacht des Wissens umsetzen können. Das war großartig und hat so viel Spaß gemacht.

Was möchtet Ihr den jetzigen Studierenden mit auf dem Weg geben? Vor allem denen, die auch über die Gründung eines Labels nachdenken?

Zusammengefasst wären dies unsere Tipps: Hört auf euer Bauchgefühl, testet eure Business Idee an Menschen, die nicht gleichzeitig eure Freunde sind, und vernetzt euch! Und dann: Fangt einfach an!

Und zu guter Letzt: Wer wäre euer Markenbotschafter?

Wir würden Sibel Kekilli großartig finden!

Vielen Dank für das Interview!

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