Die „Social Media Diät“ – Ein Selbstversuch

10. Januar 2019

UNITE - EBC Hochschule - Social Media

Quasi jeder nutzt sie, jeder ist süchtig, jeder will immer mehr davon – in der heutigen Zeit bestimmt und beeinflusst nichts so sehr unseren Alltag, ja eigentlich unser ganzes Leben, wie die sozialen Netzwerke. Da stellt sich häufig die Frage: Hat sich das Ganze zu einem ausufernden Konsumverhalten entwickelt? Sind wir abhängig von News-Feeds und haben dadurch den Blick für das Wesentliche verloren? Können wir überhaupt noch ohne die digitale Welt?

Challenge yourself

Passend zum neuen Jahr macht sich typischerweise jeder Gedanken, inwieweit man sich selbst und sein Leben ändern und verbessern könnte. Wir kennen sie ja alle, die typischen Vorsätze, die wir uns für’s neue Jahr machen: weniger Schokolade essen (habe ich übrigens schon aufgegeben), ein-zwei Gläschen weniger Vino trinken, mehr Geld sparen… die Liste ist endlos lang! Und viele nervt das mittlerweile schon so sehr, dass sich eine Art kleine Gegenströmung entwickelt hat, die sich über alle Influencer, Blogger und Youtuber dieser Welt lustig macht und dazu aufruft,wieder mehr auf Smartphones und dem ganzen Drum und Dran zu verzichten… ich finde das eigentlich ziemlich erstrebenswert! Aus diesem Grund will ich mich selber herausfordern: halte ich es eigentlich ohne Social Media aus? Und wenn ja, wie lange?

Bewusster Verzicht

Zu Beginn meines Selbstversuches denke ich mir noch: das wird doch einfacher als gedacht… denn momentan hab ich eigentlich genug um die Ohren mit Weihnachtsbesorgungen, Lernen für die Uni… da kann man sich doch gut von der „Smartphone-Sucht“ lösen. Doch bereits der erste Schwächeanfall unterläuft mir nach einer halben Stunde und dann auch noch völlig unbemerkt: aus der Gewohnheit heraus checke ich meine Snaps und merke es erst, als es schon zu spät ist!

Dadurch wird mir erst richtig klar: dieser ständige Druck, auf sein Handy zu gucken und wissen zu wollen, was es Neues gibt… dieser schweißtreibende Panikanfall, wenn das Smartphone nicht zu finden ist und die Tatsache, dass man seinen digitalen Lebensinhalt ständig bei sich haben muss zeigt nur, wie sehr mich das Handy mit allen sozialen Portalen darauf beeinflusst und auch manipuliert.

Mit dieser traurigen Erkenntnis packt mich der Ehrgeiz, ich schreie mein wütendes Ich an: „Nein! Das wirst du jawohl aushalten!?“ Bereits zwei weitere Tage halte ich das digitale Fasten noch aus.. mir kommen auch viele positive Erkenntnisse 😉 Zum Beispiel in den Öffentlichen: wenn man nicht ständig an die freien Minuten zwischendurch auf Facebook und Co. verbringt wird die Aufmerksamkeit plötzlich auf ganz andere Dinge gelenkt, die man normalerweise vermutlich nicht bemerken würde! Man lauscht anderen Gesprächen intensiver, hat mehr Blickkontakte (sofern überhaupt jemand anderes nicht auch dauerhaft auf sein Handy starrt), beobachtet die Umwelt mehr. Eigentlich ein vielseitigeres Erleben als die eigentlich „unwirkliche“ Wirklichkeit im Netz.

In den zwei Tagen merke ich außerdem, wie entspannt und ausgeglichen ich durch den Verzicht werde… Entspannung und Freizeit bedeutet wirklich loslassen können und einen freien Kopf bekommen, da man nicht wie üblich sofort auf’s Display starrt, sondern abschaltet und runterkommt. Das fördert übrigens auch viel mehr die Kreativität und Ideenfindung, dementsprechend wurde meine Geschenkesuche für Weihnachten sehr positiv beeinflusst 😉

UNITE - EBC Hochschule - Social Media Verzicht
Das Smartphone ist immer dabei – auch wenn man seine Freunde in der realen Welt trifft.

 

Realität vs. Netzwerke

Nun aber zu meinem Fazit: der bewusste Verzicht auf unsere digitalen Lebenswelten fällt zuerst sehr schwer und wir können uns schwer darauf einlassen, doch bereits nach kurzer Zeit erkennt man, wie sehr das eigene Leben dadurch geprägt wird und wie abhängig man ist, was durchaus zum Nachdenken anregt. Aber man sollte natürlich nicht alles nur schwarz malen: Soziale Medien haben auch viele Vorteile und die Menschen auf der ganzen Welt werden auf so vielfältige Art verbunden… es ist ein schönes Erleben und Teilhaben 😉

Aber natürlich sollte man es mit diesem Mediengenuss nicht zu weit treiben, indem man sein ganzes Leben in Netzwerken dokumentiert und zur Selbstdarstellung nutzt oder die echte, reale Kommunikation von Person zu Person verlernt. Ich denke die Mischung macht‘s: auf sozialen Netzwerken aktiv sein, sich Input holen, sehen was andere so treiben – aber auch davon Abstand nehmen können, das Handy mal wegpacken wenn man was mit Freunden macht oder ausschalten, wenn man einfach mal seine Ruhe braucht. Wenn man dieses Gleichgewicht gefunden hat, sollte der Konsum nicht ungesund sein. In diesem Sinne: findet euer eigenes Gleichgewicht und genießt die Zeit auch mal ohne Instagram, Snapchat und Co.!

Erleben