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Zwei beeindruckende Aktivistinnen aus Bangladesh und Myanmar berichten von ihrem Kampf für faire Löhne

Campus Hamburg, 12.11.2018

Der große Vortragssaal war bis auf den letzten Platz gefüllt und man konnte fast eine Stecknadel fallen hören, so konzentriert und gleichermaßen bewegt lauschten die etwa 80 Studierenden den beiden Aktivistinnen aus Bangladesh und Myanmar.

Zunächst führte Sina Marx, die bei FEMNET e.V. für Auslandsprojekte zuständig ist und sich zusammen mit der Organisation für die Rechte von Frauen und Mädchen stark macht, in die Thematik ein. FEMNET arbeitet nicht nur aktiv bei der Kampagne für Saubere Kleidung (Clean Clothes Campaign) mit, sondern klärt Studierende mode- und wirtschaftsbezogener Studiengänge über die Rechte der Näher/innen, Sozial- und Umweltstandards sowie die Verantwortung von Unternehmen auf. Die Organisation bietet u.a. auf ihrer Website mit umfangreichem Material (https://femnet-ev.de/index.php/themen) Unterstützung bei Projekt- und Bachelorarbeiten an, die sich mit der Textilindustrie und deren Supply Chain befassen.

Da die weltweite Nachfrage nach Bekleidung wächst, sucht die Industrie nach möglichst billigen Arbeitskräften, um die Preise im Fast Fashion Segment niedrig zu halten. Diese finden sich vor allem in Asien. Die Referentin stellte die wichtigsten Herkunftsländer für Textil- und Bekleidungs-importe nach Deutschland vor, wobei Bangladesh nach China bereits den zweiten Platz einnimmt. Myanmar folgt auf Platz 16. Darüber hinaus erfuhren die Studierenden, dass die Hauptstadt des ehemaligen Burma keineswegs Rangoon oder Mandalay, sondern Naypyidaw ist.

Anschließend berichtete Khin Nilar Soe, Vorsitzende der Gewerkschaft Yangon Regional Industrial Workers Union in Myanmar mit Unterstützung einer Dolmetscherin von ihren Erfahrungen. Sie selbst hatte als junge Frau als Näherin in einer Bekleidungsfabrik gearbeitet und berichtete aus erster Hand von den Schwierigkeiten in der boomenden Branche. Pro Monat eröffnen mehr als zehn neue Bekleidungsfabriken, doch die Tageslöhne von etwa 2,90 Euro reichen kaum aus, um sich Lebensmittel zu kaufen. Über 90% der Beschäftigten in der Textilindustrie sind Frauen. Hierbei werden vorwiegend ganz junge Arbeiterinnen bevorzugt, da sie zum einen noch gute Augen und flinkere Finger haben, vor allem aber noch fügsamer sind. In Hochzeiten der Produktion sind Überstunden und Arbeitszeiten von morgens um 7:00 bis nachts um 2:00 keine Seltenheit. Pausenzeiten belaufen sich auf 10 Minuten. Angemessen bezahlt werden diese Zusatzschichten so gut wie nie, zumal es für die Arbeiterinnen zumeist auch keine Verträge gibt, auf die sie sich berufen könnten. Nach fast 50 Jahren Militärdiktatur, sind die demokratischen Prozesse erst im Entstehen und Arbeitsgesetze werden in Myanmar oft missachtet.

Diese Misere in der asiatischen Textilindustrie unterstrich mit viel Elan und sichtlicher Lebensfreude auch Kalpona Akter. Sie wird mittlerweile zu den 100 bedeutendsten Menschen der Bekleidungsindustrie gezählt und macht sich als unermüdliche Aktivistin für die Rechte ihrer »Co-Worker« stark. Sie erzählte, dass sie zusammen mit ihrem zehnjährigen Bruder als zwölfjähriges Mädchen anfangen musste in der Fabrik zu arbeiten, um Geld für den kranken Vater und die weiteren fünf Geschwister zu verdienen. Sichtlich bewegt berichtete sie, dass ihr manchmal die Tränen kamen, wenn sie in die Fabrik und nicht in die nahegelegene Schule abbiegen musste. Sie erzählte, dass sexuelle Belästigungen, Missbrauch und Misshandlungen durch Manager ebenso an der Tagesordnung seien, wie Unterbezahlung, vorenthaltene Lohnzahlungen oder Willkür. Als sie eine weitere willkürliche Lohnkürzung hinnehmen sollte, die sie bereits für Kleidung für die Familie verplant hatte, lehnte sie sich gegen die Ungerechtigkeit auf. Sie engagierte sich gewerkschaftlich, wurde entlassen, auf eine schwarze Liste gesetzt, bekam keinen Job mehr bekam und landete schließlich sogar ins Gefängnis. Nichts davon konnte die kleine temperamentvolle Frau aufhalten.

»Es war ihr größter Fehler, mich zu entlassen« sagt sie. Seitdem hat sie sich weitergebildet, ihre Arbeitskolleginnen geschult und sie als Geschäftsführerin des Bangladesh Center for Worker Solidarity (BCWS), über ihre Rechte aufgeklärt.

Für ihr unermüdliches Engagement wurde sie 2016 mit dem Alison Des Forges Award von Human Rights Watch ausgezeichnet. Sie berichtete von den tragischen Fabrikunglücken in Bangladesh, die insgesamt über 4.000 Arbeiterinnen das Leben kosteten (allein fast 1.200 beim Einsturz des Rana Plaza 2013) und ringt hierbei um Fassung, zumal sie viele der Überlebenden die oft schwer traumatisiert und behindert sind, persönlich kennt.

Doch schnell fängt sie sich und fordert die Anwesenden auf, sich auch als Verbraucher/innen zu engagieren. »Fragt Eure Geschäfte, ob sie sich um faire Löhne für die Näherinnen kümmern, übernehmt Verantwortung und wenn ihr später selbst Chefinnen und Chefs seid, dann macht es besser und denkt auch an diejenigen, die Eure Kleidung hergestellt haben.«

Eine gelungene Veranstaltung mit mutigen Frauen, die mit Sicherheit viele Studierende zum Nachdenken angeregt hat.

Autorin: Nicole Fabisch

Veranstaltung von FEMNET e.V. an der EBC Hochschule in Hamburg.

Prof. Fabisch, Kalopna Akter, Khin Nilar Soe, Sina Marx und Dolmetscherin

Studierende bei der Vorlesung.

Großes Interesse an der FEMNET Speaker´s Tour

Professorin steht vor den Studierenden und eröffnet die Veranstaltung.

Prof. Dr. Nicole Fabisch eröffnet die Veranstaltung

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